Die Entwicklung von Innovationen und neuen Lösungen in der Finanzindustrie war noch nie so wichtig wie heute, um auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

von Patrick Pfalzgraf und Paolo Bassi

Wie kommen Innovationen auf die Straße?

Innovation ist in aller Munde. Aber abgesehen von "Best-in-Class"-Akteuren wie Google, Amazon & Co ist es schwer, Unternehmen zu finden, die wirklich "die Nuss knacken". Gemeint sind Unternehmen, die Innovation zu einem Baustein ihrer DNA machen, indem sie Ideen reibungslos, schnell, kontinuierlich und profitabel umsetzen. Die Entwicklung von Innovationen und neuen Lösungen war noch nie so wichtig, um auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden einzugehen – dennoch kämpfen Unternehmen noch immer damit.

Innovation in der Finanzindustrie

Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die Finanzindustrie werfen und sehen, was wir bei rpc erlebt haben, wenn traditionelle Unternehmen Innovationen vorantreiben wollen:

  • Eine Führungskraft hat eine vielversprechende Idee und auch Budget, um diese umzusetzen. Bevor die Idee an das Projektteam weitergeleitet wird, müssen alle potenziell beteiligten Interessengruppen einbezogen werden und es vergeht viel Zeit mit langen Abstimmungszyklen.

  • Das Projektteam startet das Projekt mit einer umfassenden Analysephase. Im Durchschnitt vergehen drei Monate.

  • In dieser Analysephase werden Anpassungen, IT-Implikationen auf Systeme und Architektur, Compliance-Kontrollen und Ausrichtungen durchleuchtet, wieder ein zeitaufwändiger Prozess.

  • Die vollständige Lösung und ein "unantastbarer" Projektplan werden bis ins kleinste Detail definiert. Zusätzlich werden weitere Projektausrichtingen abgestimmt.

Nach dieser letzten Phase beginnt das Team mit der Entwicklung der Komplettlösung. Je nach Dimension des Projekts kann das Endergebnis innerhalb von sechs bis neun Monaten bis hin zu zwei Jahren geliefert werden.

 

Warum passt dieser typische Ansatz nicht wirklich zu Innovationsprojekten?

1. Die Meinung der Führungskräfte kann von der Meinung der Kunden abweichen:

Top-Down-Ideen sind nicht immer kundenorientiert. Vermeintlich innovative Lösungen werden nicht unbedingt von den Kunden angenommen, nur weil einige Führungskräfte in ihrem Elfenbeinturm sie lieben. Die Hauptgründe für das Scheitern neuer innovativer Produkte liegen in den meisten Fällen in der mangelnden Berücksichtigung der echten Kundenpräferenzen.

 

2. Drei Monate Analyse ist heutzutage eine Ewigkeit

Zwei bis drei Monate Zeit für die Durchführung einer Analyse sind ein viel zu langer Zeitrahmen. Während man noch analysiert, werden einige Wettbewerber wahrscheinlich eine ähnliche Idee entwickeln. Schon vor Beginn der Entwicklung ist die eigene Idee schon veraltet.

 

3. Zu viele Abstimmungen bedeuten für Innovationen den Tod

Auch wenn es wichtig ist, sich um Compliance-Themen zu kümmern und das Unternehmen mit ins Boot zu holen, sollten Abstimmungsprozesse nicht zu einem Hindernis für Innovationen werden. Unternehmen der Finanzbranche fühlen sich noch oft in einer Silo-Mentalität Zuhause, Widerstand gegen Veränderungen ist an der Tagesordnung. Die übergreifende Frage ist also, welche Stakeholder wirklich an Bord geholt werden müssen und welche versuchen werden, die ursprüngliche Idee für ihre eigenen Ziele und Vorstellungen verändern zu wollen. 

 

Was ist der Vorteil, wenn man Monate damit verbringt, jedes einzelne Detail einer Lösung, die vielleicht in zwei Jahren eingesetzt wird, aufeinander abzustimmen? Wer weiß, wie diese Lösung in zwei Jahren aussehen soll? Bei Innovationen geht es um neue Konzepte und Ideen, die von vornherein schwer zu erfassen und vollständig zu verstehen sind, geschweige denn ein vollständiges Bild vom Endergebnis zeigen. Die Finanzindustrie verändert sich derzeit in noch nie da gewesener Geschwindigkeit. Das Festhalten an Details birgt die Gefahr, Produkte und Lösungen auf den Markt zu bringen, die zum Zeitpunkt ihres Markteintritts bereits veraltet sind. Kontinuierliches Feedback vom Markt, von den Kunden und von den Wettbewerbern ist hingegen unerlässlich, um nachhaltige und erfolgreiche Innovationen zu sichern.

 

Mit dem Minimum Viable Product schneller zum Ziel

1. Erstellen und validieren Sie Ideen mit Kunden und Stakeholdern. Das klingt nicht sehr ausgefallen, ist aber sehr wichig: Prüfen Sie, ob innovative Ideen überhaupt den Appetit der Kunden wecken, bevor Sie Zeit und Geld in die Entwicklung investieren.

2. Führen Sie die Analyse schnell durch und beginnen Sie dann direkt mit der Entwicklung. Die Analyse ist ein grundlegender Schritt, um nachhaltig neue Ideen zu schaffen. Trotzdem ist es bei Innovationen manchmal wichtiger, nicht die Zugkraft und die Zeit zu verlieren. Starten Sie lieber schnell eine agile Entwicklung.

3. Arbeiten Sie nur mit den wichtigsten Stakeholdern zusammen. Versuchen Sie, nur die Personen an Bord zu holen, die für den Erfolg des Projekts eine Rolle spielen. Vermeiden Sie eine Silo-Bildung und unnötige Abstimmungsrunden.

4. Schnelle Tests für schnelle Erfahrungswerte. Warum ein ganzes Kaufhaus bauen, wenn man mit einem funktionierenden Kühlhaus beginnen kann, um zu sehen, ob Kunden überhaupt die Idee annehmen? Ein häufiger Fehler von Banken und Versicherungen ist es, nicht zu akzeptieren, dass erste Lösungen noch nicht gut genug sind und noch nicht das vollwertige Endprodukt darstellen. Bei der Ideenfindung flink zu sein bedeutet, schneller zu lernen und noch schneller zu sein, Ideen bei Bedarf anzupassen.

 

rpc on innovation in financial industries

Wir bei rpc arbeiten im Rahmen von Innovationsprojekten in der Finanzindustrie mit dem Minimum-Viable-Product-Ansatz (MVP). Ein MVP ist eine Entwicklungstechnik, bei der ein neues Produkt mit ausreichenden Funktionen entwickelt wird, um auf einem Markt getestet zu werden. Obwohl noch nicht perfekt, erfüllt das MVP die Kundenbedürfnisse und stellt diejenigen Kunden zufrieden, die die Lösung vom ersten Tag an einsetzen.  Der endgültige, vollständige Funktionsumfang des innovativen Produkts wird erst nach dem Produkterfolg und unter Berücksichtigung des Feedbacks der Erstbenutzer konzipiert und weiterentwickelt.

 

Die Säulen des MVP-Ansatzes sind:

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Idee kundenorientiert ist und lassen Sie sich den Kundenbedarf bestätigen, bevor Sie mit der Entwicklung beginnen

  • Erstellen Sie Prototypen nach Kundenwunsch

  • Testen Sie schnell und lernen Sie aus den Ergebnissen

  • Verbesseren Sie iterativ Ihr Produkt

Eine Firma, die den MVP-Ansatz von Anfang an nutzt und auf die nächste Stufe gehoben hat, ist Dropbox. Bevor Dropbox ein neues Produkt programmiert und entwickelt hat, erstellten sie Erklärungsvideos für ihre Kunden, um zu testen, wie das Produkt bzw. der Gedanke dahinter bei den Kunden ankommen könnte. Die Erklärungsvideos wurden mit einem minimalen Marketingbudget vorangetrieben, waren aber dennoch so gut, dass Dropbox über Nacht mehr als 70.000 Views auf seiner Website von potenziellen Kunden generiert hat. Die Kunden haben zwar kein zu testendes Produkt vorgefunden, aber sie haben ihre E-Mail-Adresse für weitere Informationen hinterlegt und mit ihren Fragen dabei geholfen, die Produktidee und -entwicklung noch weiter zu schärfen. Clever, oder?

 

rpc's neu errichteter Servicebereich Finanzdienstleistungen unter der Leitung von Patrick Pfalzgraf bietet Banken, Versicherungen und deutschen Krankenkassen einen 360-Grad-Beratungsansatz. Wir nutzen das bestehende rpc Portfolio und erweitern es um noch innovativere und technologieorientierte Themen wie MVP-Entwicklung, Rapid Prototyping, Blockchain-Technologie und vieles mehr. Neugierig geworden? Treten Sie unverbindlich mit uns in Kontakt, um mehr zu erfahren!

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Patrick Pfalzgraf ist Partner bei rpc - The Retail Performance Company.
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Patrick Pfalzgraf leitet den Bereich Financial Industry bei rpc. Er ist ein ausgewiesener Branchenexperte für die Finanzindustrie mit den Schwerpunkten digitale Transformation, Strategie, Vertriebsleistung und Operational Excellence.
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